The Icelandic model may prove increasingly attractive to other European nations too
Ambrus Béla's Geopolitical Outlooks - 31.08.2026
Link: https://ambrusbela.substack.com/p/europe-can-remain-rich-while-becoming
Islands „Nein“, der endlose Warteraum der Türkei, Serbiens schwindende Begeisterung, Georgiens ins Stocken geratener Weg, die beschleunigte Kandidatur der Ukraine, Ungarns Rebellion von innen heraus und Trumps Grönland-Herausforderung – all dies führt zu derselben unbequemen Frage: Wo endet Europa eigentlich?
Island sollte eigentlich keine so große Rolle spielen. Es ist ein Land mit weniger als einer halben Million Einwohnern. Es ist bereits fest in der westlichen Welt verankert: Es ist NATO-Mitglied, Teil des Schengen-Raums, Teilnehmer am Europäischen Wirtschaftsraum und eng in den europäischen Binnenmarkt integriert. Dennoch verdient Islands Entscheidung, die Wiederaufnahme der Verhandlungen über einen Beitritt zur Europäischen Union abzulehnen, deutlich mehr Aufmerksamkeit, als es das wirtschaftliche Gewicht des Landes normalerweise rechtfertigen würde.
Island hat nicht für einen Austritt aus Europa gestimmt. Es hat gegen den letzten politischen Schritt in Richtung EU gestimmt. Dieser Unterschied offenbart eines der zentralen geopolitischen Probleme, mit denen die Europäische Union konfrontiert ist.
Seit Jahrzehnten ist Europa außerordentlich erfolgreich bei der Ausweitung seiner wirtschaftlichen Grenzen. Europäische Vorschriften, Kapital, Lieferketten, Zahlungssysteme, Arbeitsmärkte und Handelsbeziehungen reichen weit über die formellen Grenzen der EU hinaus. Bei der Ausweitung seiner politischen Grenzen ist Europa jedoch weniger erfolgreich geworden.
Und gerade jetzt, in einem Moment, in dem militärische Macht, strategische Geografie, Energie, kritische Mineralien, Schifffahrtsrouten und der Wettbewerb der Großmächte wieder in den Mittelpunkt der internationalen Politik rücken, wird die Kluft zwischen diesen beiden Grenzen gefährlich.
Island hat Europa nicht abgelehnt
Die einfachste Interpretation des isländischen Referendums ist zugleich die wenigste hilfreiche. Island hat sich hier nicht für Isolation entschieden.
Wirtschaftlich gesehen ist Island bereits tief in Europa verwurzelt. Im Rahmen des EWR beteiligt sich Island umfassend am Binnenmarkt und übernimmt einen erheblichen Teil der europäischen Rechtsvorschriften. Isländische Bürger genießen die Freizügigkeit innerhalb Europas. Isländische Unternehmen haben Zugang zu europäischen Verbrauchern. Die Europäische Union ist Islands mit Abstand wichtigster Handelspartner.
Dennoch behält Island in mehreren politisch sensiblen Bereichen eine größere nationale Kontrolle, als es als Vollmitglied der EU hätte. Vor allem behält es die Kontrolle über die Fischerei. Für Brüssel ist die Fischereipolitik ein Bestandteil eines kontinentalen politischen und wirtschaftlichen Systems. Für Island stellt die Fischerei hingegen eher eine strategische nationale Ressource dar.
Dieser Unterschied steht im Mittelpunkt des Referendums. Island hat sich faktisch für einen eigenartigen Kompromiss entschieden: eine tiefe wirtschaftliche Integration in Europa ohne vollständige politische Integration in die EU.
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