Corona
Geheime Corona-Sitzung: Warum waren die Krankenhäuser leer?
Interne Dokumente zeigen, wie die Corona-Enquetekommission bei brisanten Themen ins Schwimmen kommt. Manches ist gar dubios.
Ein Sitzungssaal im Paul-Löbe-Haus, Kameras aus, Mikrofone stumm. Was hier passiert, wird offiziell erst nach Ende der Wahlperiode aktenkundig. Die Berliner Zeitung hat trotzdem einen exklusiven Einblick in sogenannte nichtöffentliche Sitzungen der Corona-Enquetekommission des Bundestags erhalten.
Die Corona-Enquetekommission des Bundestags gilt gemeinhin als zahnloser Tiger. Die öffentlichen Sitzungen folgen fast immer demselben Drehbuch: Auf der einen Seite Vertreter der etablierten Parteien, die lieber mauern als aufklären. Auf der anderen Seite ein paar unbequeme Sachverständige, die meisten von ihnen von der AfD benannt.
Herausgekommen ist dabei bislang wenig – meist bleibt es beim Schaulaufen, echter Erkenntnisgewinn ist eher die Ausnahme.
Ganz anders verläuft es hinter verschlossenen Türen, wo offenbar immer wieder die Fetzen fliegen – und erstaunliche Dinge werden zutage gefördert.
Die Befragung beginnt
Am 11. Juni ging es besonders hoch her: In der Arbeitsgruppe „Wissenschaft, Daten und Kommunikation“ war unter anderem Andrea Ammon geladen, frühere Direktorin der europäischen Seuchenschutzbehörde (ECDC). Im Mittelpunkt der Befragung standen Schweden und die italienische Stadt Bergamo, die im März 2020 mit Bildern von Militärlastwagen, die Särge zum Krematorium brachten, weltweit für Schlagzeilen sorgte.
Die ersten kritischen Fragen kamen vom Ökonomen Stefan Homburg, Sachverständiger für die AfD. Er konfrontierte Ammon mit dem Vergleich zu Schweden, das während der Pandemie einen international viel diskutierten Sonderweg ohne Lockdowns oder Schulschließungen ging. Homburg sagte, dass Schweden Schulen bis zur Sekundarstufe offen gehalten und weder Lockdowns noch eine Maskenpflicht verhängt habe.
Ammon bestritt, dass es einen schwedischen Sonderweg gegeben habe: Sie habe während der Pandemie selbst in Schweden gelebt und könne bestätigen, dass es zwar keine verbindlichen Verordnungen, aber Empfehlungen gegeben habe, denen die Bevölkerung in hohem Maße gefolgt sei. Eine ähnliche Freiwilligkeit hätte in Deutschland „wahrscheinlich nicht funktioniert“, sagte Ammon.
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