Junge Menschen als Vorwand um das Internet zu zensieren
Axa-Chef Patric Deflorin fordert Social-Media-Zügel – und verschweigt, was Jugendliche wirklich krank macht
Der neue Axa-Chef Patric Deflorin warnt vor explodierenden IV-Kosten durch psychische Erkrankungen bei 18- bis 24-Jährigen. Die Zahl neuer Fälle sei zwischen 2021 und 2025 um 78 Prozent gestiegen. Allein im letzten Jahr habe der Versicherer 220 Millionen Franken für neue IV-Fälle zurückstellen müssen. Als wichtigen Grund nennt er die Abhängigkeit von Social Media und fordert Einschränkungen – nicht nur für Kinder, sondern bis ins junge Erwachsenenalter. Wieder einmal sollen die Jungen herhalten, damit das Netz enger gezogen und das Internet kontrolliert werden kann.
Die bequeme Erklärung
Dass Bildschirmzeit, ständige Vergleichskultur und der Druck, immer erreichbar zu sein, belasten können, ist unbestritten. Schlafmangel, soziale Bewertung rund um die Uhr und das Gefühl, nie zu genügen, hinterlassen Spuren. Studien zeigen Zusammenhänge zwischen Nutzungsdauer und Befinden. Daraus aber gleich staatliche oder elterliche Zensur abzuleiten, ist der altbekannte Reflex: Das Internet wird zum Sündenbock erklärt, damit niemand die tieferen Ursachen benennen muss. Leistungsdruck in Schule und Beruf, unsichere Zukunft, brüchige Familien und eine Gesellschaft, die jungen Menschen kaum noch Halt und klare Grenzen gibt, bleiben im Hintergrund. Wer nur das Handy beschuldigt, muss sich nicht mit dem Zustand der Erziehung, der Schule und der öffentlichen Moral auseinandersetzen.
Entwicklung wird gestört
Viele Jugendliche werden heute in ihrer natürlichen Reifung gehemmt, verwirrt und instrumentalisiert. Die Pubertät war schon immer eine fragile Phase. Heute wird sie zusätzlich mit Identitätsangeboten überladen, die Unsicherheit nicht als vorübergehend behandeln, sondern als festzuschreibende Wahrheit. Besonders die LGBTQ-Bewegung hat sich in Schulen, Medien und Peer-Gruppen festgesetzt. Was früher als vorübergehende Unruhe oder experimentelles Suchen galt, wird rasch als Identität erklärt und oft medizinisch begleitet. Der sprunghafte Anstieg von Geschlechtsdysphorie vor allem bei Mädchen, häufig im Cluster mit Freunden und nach intensiver Online-Beschäftigung, spricht für soziale Ansteckung. Wer zweifelt oder zur Vorsicht rät, gilt als feindselig. Das erzeugt Angst, Isolation und echte psychische Not – und wird dann als Beweis für Diskriminierung verkauft. Missbrauch liegt nicht nur in körperlichen Eingriffen, sondern schon darin, entwicklungsbedingte Verwirrung zur politischen und medizinischen Dauerlösung zu machen.
Die gleichgeschaltete Erzählung
Dazu kommt eine Medienlandschaft, die kaum noch abweichende Stimmen zulässt. Krisen, Klima, Krieg und Moral werden im Gleichklang der obersten Eliten erzählt. Junge Menschen bekommen dauernd vermittelt, die Welt sei am Abgrund und sie selbst seien entweder das Problem oder das Opfer. Wer sich dieser Linie nicht anschliesst, wird ausgegrenzt. Das zersetzt Orientierung und Selbstvertrauen weit wirksamer als jedes einzelne TikTok-Video. Gleichzeitig werden andere Ursachen – fehlende Väter, überforderte Schulen, der Verlust von Gemeinschaft und Sinn – entweder verschwiegen oder in dieselbe ideologische Form gegossen. Die Propaganda erzeugt das Gefühl der Ohnmacht und liefert gleich die erlaubte Sprache dazu.
Social Media verdient Kritik. Aber wer nur dort ansetzt und gleichzeitig Geschlechtsverwirrung fördert, Familien schwächt und eine einheitliche Weltsicht durchdrückt, behandelt Symptome und schützt die eigentlichen Ursachen. Die IV-Zahlen werden weiter steigen. Nicht weil das Netz so gefährlich ist, sondern weil man den Jungen den Boden unter den Füssen wegzieht und ihnen gleichzeitig einredet, ihre Verwirrung sei Fortschritt.
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1September 20, 2026 242 3