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Nun, wie versprochen, ein kurzer Bericht und meine Sichtweise auf die Ereignisse vom 29.8.20. Natürlich kann ich hier nicht alle Einzelheiten schildern – das wird viel zu lang. In den nächsten Tagen werde ich sicherlich noch über das eine oder andere reden. Fangen wir erst mal hiermit an.
Ich war Teil des Teams auf Bühnen-Lkw 4 in der Friedrichstraße und mußte feststellen, daß die Polizei selbst aktiv verhindert hat, daß der Demozug starten konnte. Es wurden seitens der Polizei immer neue Anforderungen an uns gestellt, die wir jedes Mal erfüllten, nur um dann weitere Forderungen zu hören. Es war der reinste Gehorsamstest: der startete damit, daß uns vorgehalten wurde, daß die Abstände nicht eingehalten wurden.
Also haben wir entsprechende Anweisungen ans Publikum gegeben und für die Durchführung gesorgt, so gut wir konnten. Ungefähr so war die Reihenfolge: 1. Abstände wahren, später dann 2. herumgehen, statt stehen bleiben, dann 3. hinsetzen, dann 4. aufstehen und herum gehen, dann 5. Masken aufsetzen, wo Abstände nicht eingehalten werden KÖNNEN, dann 6. mit Masken hinsetzen .... Wir (und die Demonstranten) haben uns - zwar widerstrebend, aber doch - gebeugt, um nicht Schuld daran zu sein, das der Demozug nicht starten kann, aber es hat alles nichts genutzt. Bitte verzichtet jetzt auf Kommentare wie „das hätte ich nie mitgemacht“ - wir wollten tun, wozu wir hergekommen waren und wir wollten das nicht mit Gewalt durchsetzen - Punkt.
Schon relativ früh wurde uns verboten, Musik zu machen und zu reden. Die Künstler haben dann ohne Musik Lieder angestimmt - das wurde ebenfalls untersagt. Keine Musik, keine Reden. Wir durften die Lautsprecher zeitweise nicht einmal für Nachrichten an die Demonstranten benutzen. Gerade mal, das es eine Durchsage geben durfte, das ein Kind seinen Vater suchte.
Die Polizei hat sich über erteilte Genehmigungen hinweggesetzt, auch über die Genehmigung einer hilfsweise vor Ort angezeigten Spontandemo. Den Einsatzleiter hat das gar nicht interessiert, er hat stur (sicher nach Anweisung) alles unterbunden, was die Lage hätte entspannen können. Der Umgangston des Einsatzleiters war übrigens ausgesprochen rüde.
Als klar war, das wir definitiv keinen Umzug haben werden, wurde aber auch (wie ich hörte unter Androhung von Gewalt gegen das gemietete Fahrzeug) untersagt, den Lkw weg zu fahren. Wie ich später erfuhr, haben Polizisten dem Lkw 3 die Seitenscheibe auf der Fahrerseite eingeschlagen; keine Ahnung, was der Fahrer wohl angestellt haben mag, um diese Reaktion hervorzurufen.
Wenn ich hier von Polizei rede, dann meine ich NICHT die „normalen“ Polizisten, die im Revier um die Ecke täglich ihren Dienst tun, sondern die martialischen „Kollegen“ im Kampfdreß. Den bei uns stehenden normalen Polizisten habe ich an Gesicht und Körperhaltung angesehen, das sie vor Scham am liebsten im Boden versunken wären.
Scheinbar ermuntern friedliche Demonstranten manche Sorte Polizisten geradezu, selbst gewalttätig zu werden, wenn es ungefährlich ist. Vor gewaltbereiten Demonstranten wird oft der Schwanz eingekniffen (wie z.B. in Hamburg). Muß man daraus schließen, daß der Frust, die Gewaltbereiten nicht entsprechend behandeln zu dürfen, an denen ausgelassen wird, die sich nicht wehren? Gilt hier das Prinzip der Scheinstarken, daß man sich lieber an Schwächeren vergreift, als an Ebenbürtigen, die mit Pflastersteinen und anderen Dingen schmeißen? Fühlen die sich nur dann gut, wenn sie Frauen, Alte und Hilflose kujonieren können? Bilder genau davon haben wir mittlerweile genug gesehen, oder? Randalierer läßt man machen, aber selbst erkennbar Wehrlose werden mit 3-6 Mann brutal niedergemacht und teilweise sogar verletzt.
Mein Fazit:
Wir waren Zeugen eines Doppelputsches:
1. Putsch der Polizeibehörde gegen richterliche Beschlüsse. Der Rechtsstaat Deutschland ist damit dann ja wohl Geschichte; wir haben an diesem Tag seinen Untergang live und in Farbe erlebt. Hier bekommt man übrigens schon lange kein Recht mehr, sondern bestenfalls ein Urteil.