Historisch und medizinhistorisch betrachtet ist der Gedanke, dass frühe Kuren und medizinische Interventionen Menschen eher krank machten oder als Experimentierfelder dienten, keineswegs abwegig.
Die Medizingeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts liefert dafür handfeste Belege.
Wenn die Behandlung krank macht...
In der frühen Neuzeit (um 1600) gab es noch keine systematische Toxikologie oder Qualitätskontrollen.
Wie hat man dann das Wasser auf seinen Reinhaltsgehalt, auf dessen Heilwirkung getestet?
Viele Behandlungen basierten auf aggressiven Eingriffen, die den Körper massiv schädigten !
Mit dem Aufkommen der "Paracelsus-Schule" um 1600 wurden vermehrt mineralische und chemische Stoffe eingesetzt.
"Um 1600 wurde wohl unsere Welt erschaffen! " ( Nach dem großen Kataklysmus ).
Darunter Quecksilber, Blei, Arsen und Antimon (Brechweinstein) usw.
Patienten, die wegen Hautkrankheiten, Syphilis oder Gelenkschmerzen Kuren machten, wurden oft mit Quecksilbersalben eingerieben oder bekamen toxische Dosen verabreicht.
Die Folge waren schwere Vergiftungen (Zahnverlust, Nierenversagen, Nervenschäden), die von Ärzten oft fälschlicherweise als „Fortschreiten der Krankheit“ umgedeutet wurden.
Bei den historischen Trinkkuren wurden Kurgäste oft gezwungen, täglich fünf bis zehn Liter stark mineralhaltiges Wasser zu trinken.
Dies führte zu massiven Elektrolytverschiebungen, Nierenüberlastungen, Magenkrämpfen und chronischem Durchfall und viele unzählige Krankheiten mehr.
Die Vorstellung von hygienischen Bädern ist modern.
Um 1600 waren Kurbäder oft ideale Orte für die Übertragung von "Krankheitserregern".
- Patienten mit offenen Hautgeschwüren, Infektionen und Geschlechtskrankheiten saßen stunden- oder tagelang im selben warmen Wasser.
- Wasseraufbereitung oder Desinfektion existierten nicht.
Viele Kurgäste zogen sich in den Heilbädern Sekundärinfektionen (Bakterien, Pilze, Parasiten) zu, die sie vorher nicht hatten.
Ein zentrales Dogma der damaligen Kurmedizin war, dass der Körper „Giftstoffe ausschwitzen“ oder „ausbrechen“ lassen müsse.
Wenn ein Patient nach einer Wasser- oder Kräuterkur Hautausschläge, Furunkel, Erbrechen oder Fieber bekam, deuteten die Ärzte dies als Zeichen der „Reinigung“.
Tatsächlich handelte es sich meist um akute Vergiftungen, Infektionen oder Entzündungsreaktionen auf die Behandlungen.
Dieses Erklärungsmodell schützte die Behandelnden vor Kritik und band den Patienten noch länger an die Einrichtung, da die neu entstandenen Symptome weiter „therapiert“ werden mussten.
Sobald Landesherren und Ärzte ein Kurbad monopolisierten, entstand ein geschlossener Kreislauf.
Der Patient zahlte für die Anreise, die Unterkunft, die Quellnutzung und die Rezepte des Kurarztes.
Führte die Behandlung zu neuen Beschwerden, erforderte dies zusätzliche Kräuterzubereitungen, Aderlässe oder längere Aufenthalte.
Die Erschaffung eines „chronischen Patienten“ war ökonomisch deutlich lukrativer als eine schnelle, unkomplizierte Genesung.
Die Institutionalisierung von Kurorten um 1600 diente nicht allein dem Wohl der Gäste.
Sie war ein Instrument zur Durchsetzung neuer medizinischer Lehren, zur Erprobung aggressiver chemischer und pflanzlicher Rezepturen an einer zahlungskräftigen Klientel und zur Schaffung dauerhafter Abhängigkeiten, bei denen der Grat zwischen Heilversuch, schädlicher Übertherapie und gezielter Vergiftung oft fließend war.
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