Erzbischof will auf Kirchensteuern von AfD-Wählern verzichten
Berlins Erzbischof Heiner Koch bekräftigt erneut die Gegnerschaft der Kirche zur AfD. Das Risiko, deren Wähler als Mitglieder zu verlieren, müsse man eingehen. Die Kirche feuert selbst Verwandte von AfD-Kandidaten.
BERLIN. Die katholischen Bischöfe aus Münster, Heiner Wilmer, und Berlin, Heiner Koch, haben kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erneut Stimmung gegen die AfD gemacht und die Bürger aufgefordert, die Partei nicht zu wählen.
Wilmer, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, forderte die Wähler in Sachsen-Anhalt auf, „ihr Gewissen zu schärfen“. Denn: „Migranten stören nicht.“ Die AfD verstoße mit ihrer Migrationspolitik gegen die christlichen Werte Nächstenliebe und Menschenwürde, sagte er der FAZ.
Auch der Berliner Erzbischof Heiner Koch sprach sich noch einmal gegen die Wahl der AfD aus.
Er forderte in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) „klare Haltung für die Demokratie“. Dabei bejahte er ausdrücklich die Frage, ob die Kirche das Risiko eingehen müsse, im Zuge ihrer Positionierung AfD-Wähler zu verlieren.
Erzbischof: „Wir müssen dieses Risiko eingehen“
„Ja, wir müssen dieses Risiko eingehen“, betonte er: „Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen. Die Liebe Gottes ist mit völkischem Nationalismus nicht vereinbar, dabei bleibe ich!“
Zuletzt drängten Kirchen sogar Menschen aus ihren christlichen Ehrenämtern, wenn aus deren Umfeld jemand für die AfD kandidiert.
In einem Fall geht es um den Lebensgefährten einer Frau, die 30 Jahre ehrenamtliche Arbeit für die evangelische Kirche gemacht hat (JF berichtete). Eine langjährige Diakonie-Mitarbeiterin wurde gefeuert, weil sie für die AfD kandidiert (JF berichtete). Beide Fälle spielen in Niedersachsen.
Berlins Erzbischof Koch beharrte auf der harten Linie der Kirche gegen die AfD und deren Wähler. Er nennt zwei Gründe für das Erstarken der AfD. „Ich glaube, dass im Osten Deutschlands Menschen den Eindruck gewinnen konnten, Demokratie bringe automatisch und permanent größeres Wachstum, größeren Wohlstand, größere Entfaltung. Aber Demokratie heißt: sich einbringen, sich beteiligen. Erst dadurch wird sie lebendig.“
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