März 1950
Schuld und Sühne als psychosomatisches Problem
Die Psychosomatik findet immer wieder neue Beweise, dass Leiden der Seele zu Krankheiten des Körpers werden und dass viele Krankheiten heilen, wenn es gelingt die Seele ins Gleichgewicht zu bringen.
Seelenleiden, welche dem Arzt häufig begegnen, sind Versündigungs- und Schuldgedanken. Aus dem Paradies einer behüteten und froh verspielten Kindheit wird der heranwachsende Mensch in den modernen Lebensprozess hineingestoßen; außer den in ihm selbst liegenden moralischen Gesetz muss er in Elternhaus, Schule und Beruf die Sitten und Gesetze der menschlichen Gesellschaft erlernen, die von Jahrzehnt zu Jahrzehnt komplizierter und schwieriger werden; seine innere Natur aber hat oft ganz andere Wünsche und Triebe, als Moral, Sitte und Gesetz verlangen, und sie fühlt sich desto stärker unterdrückt, je tiefer sie ins Leben schreitet. Es kommt unweigerlich zum Kampf des inneren Menschen mit den äußeren Anforderungen und zu den täglichen kleineren und größeren Siegen und Niederlagen. Es gibt keinen Menschen, der in diesem Kampf nicht gegen Moral, Sitte und Gesetz verstoßen müsste. Der Weg jedes Menschen geht notwendig durch Sünde und Schuld, weil wir nur durch Irrtum klug werden, durch Fehler das Richtige finden und an Widerständen zu Persönlichkeiten heranwachsen können. Wer sich gegen Sitte und Gesetz vergangen hat und Nachteile einstecken musste, weiß nun, wie er seinen Vorteil künftig zu wahren hat. Sobald er dieses Positive in seinen Irrtümern und Fehlern zu sehen und sie damit als Gewinn zu verbuchen vermag, wird seine Seele nicht mehr darunter leiden und sein Körper nicht krank werden. Derartige Schuldgefühle sind leicht zu überwinden.
Ernster wird die Situation bei der Übertretung der göttlichen Gebote. Fromme Naturen leiden oft furchtbar unter dem Druck ihrer Sündhaftigkeit und finden häufig keinen anderen Weg aus ihren Qualen als den in die Krankheit. Und dabei ist es auch hier nicht allzu schwer, den Seelenfrieden wieder zu finden. Diese Sünden hängen stets mit irgendeiner Lieblosigkeit gegen andere Menschen zusammen, in denen allen Gott ja wohnt und durch die alle Gott verletzt, aber auch versöhnt werden kann. Viele Menschen, die unter Versündigungsgedanken leiden, sprechen vielleicht täglich das Rezept aus, wie sie Sühne erlangen können, ohne es zu beachten: „wie wir unsern Schuldigern vergeben“. Das ist Arznei für kranke Seelen! Überall und ständig bietet sich uns Gelegenheit, Schulden zu vergeben und Liebe zu üben, und je mehr wir es tun, desto sicherer werden auch uns unsere täglichen Verschuldungen vergeben, d.h. wir finden dann jene Seelenruhe, welche das beste Vorbeugungs- und Heilmittel für Körperkrankheiten auf seelischer Grundlage ist.
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Dr. med. homöop. Heinrich Will (1891-1971)
Die Rezepte und Berichte sind ein Erbe meines Vaters (1891-1971), die er um 1927 rum verfasst hatte (Copyright!). Er studierte Medizin und ist dann voll überzeugt, in der Zeit in der man sich an Paracelsus wieder erinnerte, auf Homöopathie umgestiegen.

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4August 31, 2026 1.7K 1 35