Diese Schüsse waren vorsätzlich in einem Streit auf den Arzt Nicola Pende abgefeuert worden, verfehlten jedoch ihr Ziel und schlugen durch den Rumpf eines anderen Bootes, in dem Dirk schlief.
Am 7. Dezember 1978 starb Dirk nach 19 Operationen an seinen schweren Verletzungen, die er durch die Schüsse des Prinzen erlitten hatte – in er den Armen seines Vaters.
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Schwarzwald
7. Dezember 1980, 17 Uhr
Heute vor zwei Jahren war der schwärzeste Tag meines Lebens, die schwärzeste Stunde meines Lebens.
Mein geliebter Dirk ist in meinen Armen gestorben.
Nichts vorher und nichts nachher war so grauenhaft, so unsagbar vernichtend wie diese Stunde.
Ich habe gemeint, es würde vielleicht langsam nachlassen, dieses Gefühl der Ohnmacht, des Verlassenseins, der unendlichen Traurigkeit. Aber es wird noch immer stärker.
Ich kann nicht mehr der sein, der ich war.
Mein armer Sohn, was hast Du durchgemacht, was hast Du gelitten, ohne je mit einem Wort zu klagen. Was hätte ich darum gegeben, hätte ich an Deiner Stelle sterben dürfen.
Jede Nacht stirbst Du aufs Neue in meinen Armen. 730 Nächte bist Du seither bei mir gestorben, und immer wollte ich Dich nicht loslassen aus meinen Armen und immer zog Dich das grausige Verhängnis. Ohnmächtig stand ich noch jedes Mal zum Schluss und habe geheult wie vor zwei Jahren, so hemmungslos und fassungslos geheult wie damals zwischen all den schwerkranken Patienten und den abgestumpften, rohen und unbarmherzigen Ärzten und Schwestern, die mich nur zum Sterben noch zu Dir gelassen haben.
Du wunderbarer Junge bist gestorben wie ein König, stolz, groß und doch so lieb trotz aller Qualen, trotz aller Schläuche in allen Venen, Arterien, trotz Inkubationsschlauch, trotz furchtbarem Dekubitus.
Die Niedertracht und Bosheit Deiner Peiniger hast Du nur mit einem Kopfschütteln abgetan: „Papa, sie sind böse, sehr böse.“
In den letzten Tagen hast Du nur noch mit den Augen gesprochen, aber ich habe jedes Wort von Dir verstanden.
Hast Du auch alles verstanden, was ich Dir noch zuletzt gesagt habe, dass Papa und Mama Dich unendlich lieb haben und dass wir immer zusammenbleiben werden und alles gemeinsam machen werden? Und dass Du jetzt ganz stark sein musst und einen langen Schlaf machen musst? Du hast genickt, und ich bin sicher, Du hast alles verstanden trotz Deines Todeskampfes.
Nur einmal, als Du schon Deine Augen geschlossen hattest und meine Tränen auf Dein Gesicht tropfen fühltest und mich weinen hörtest, hast Du ein bisschen unwillig mit dem Kopf geschüttelt.
Wolltest Du mir sagen: „Papa, Du sollst nicht weinen, wir bleiben doch immer zusammen!“
Ich schäme mich nicht, mein Junge, vor keinem Menschen. Ich weine so oft, wenn niemand mich sieht. Sei mir nicht böse. Ich weiß, Du hattest Deinen Vater noch niemals weinen gesehen.
Aber jetzt bin ich ja auch Dein Lehrling und bin traurig stolz auf Dich, mit welcher Würde Du uns durch das große Tor des Todes vorausgegangen bist. Aber auch solch ein Stolz kann meine Verzweiflung nicht stillen, wenn Du jede Nacht aufs Neue in meinen Armen stirbst und mich verzweifelt zurücklässt.
(Dirk Geerd Hamer, 11. März 1959 - 7. Dezember 1978)