Erlebnis-Bericht zur Hörsaal-Besetzung (ca. 2010, Studenten-Protest auch in Linz):
Hunderte Studenten waren im Hörsaal 1, dem größten Hörsaal der JKU, monatelang.
Täglich Plenar-Sitzung um 17 Uhr.
Der Saal war voll.
Reden, reden, sinnlos reden.
Die Abstimmungen kamen dann mehrere Stunden später, als nur mehr 20 Leute da waren:
Ich und mein damaliger Freund, und ein weiterer Partei-Freier, sonst lauter Links-Parteien (SPÖ, Sozialistische Jugend SJ, Kommunisten und andere).
An die Beschlüsse hielt sich sowieso keiner, besonders die nicht, welche diese Beschlüsse wollten.
Obwohl wir vorher abgestimmt haben, ob wir jetzt abstimmen sollen. 🙈
Irgendwann kamen dann die Rechts-Parteien rein: Streit brach aus, ein Hitler-Gruß eines kurz Reinlaufenden plus Anzeige von den Linken, und die Rechten wollten uns raus-stimmen (=abstimmen, ob die Hörsaal-Besetzung beendet werden soll).
Partei-Hick-Hack untereinander, und wir Partei-Freien wurden extrem manipuliert. Jede sinnvolle Arbeitsgruppe wurde so sabotiert, daß inhaltliches Arbeiten nicht möglich war.
Als der damalige Rektor Hagelauer zu uns zum Gespräch kam, hatten wir keinen beschlossenen Forderungskatalog.
Mir wären tausend Punkte eingefallen, aber das war nicht abgestimmt, und man darf nicht "vorpreschen". Ich war ein Trottel, weil ich es nicht einfach getan habe. Ich hätte volle Redezeit gehabt. Meine Anliegen waren aber ohnehin weniger gegen die Universität, als gegen den Bologna-Prozeß (=EU-Vorgaben und deren Verschlechterungen).
Fakt:
Wenn Parteien dabei sind, geht gar nichts mehr!
ÖH:
Die Österreichische Hochschülerschaft ist die demokratische Studenten-Vertretung.
Meist Studenten-Parteien, die von den Parteien finanziert werden, und deren Agenda haben. Nur wenige Partei-Freie sind in den Studien-Richtungen.
Zwei ÖH-Vertreterinnen kamen kurz rein zur Hörsaal-Besetzung, verkündeten am Sprecher-Pult, daß die ÖH sich raushält, aber sie selbst privat eh auf unserer Seite seien.
Null Engagenent oder Unterstützung!
Korrigiere: Ich durfte einen ausführlichen Bericht im ÖH-Kurier (Universitäts-Zeitung) schreiben, der von den LinkInnen* gegendert wurde. Auch ein paar andere Texte der Hörsaal-Besetzung wurden gedruckt.
Die damalige Bundes-Regierung sah irgendwann ein, daß die Universitäten extrem unterfinanziert sind.
Als wir richtig viel Geld rausdemonstriert hatten, machte natürlich die ÖH die Abstimmung, was mit dem Geld geschieht, das für Studenten vorgesehen war. Sie hatten alle Mail-Adressen, natürlich.
Fragen hätten sie uns trotzdem sollen, welche Abstimnungs-Vorschläge es geben sollte. Auch hier hatten wir fast keine Möglichkeit. Einzig meine Steckdosen-in-den-Hörsälen wurde abgestimmt und umgesetzt.
(Denke an mich, wenn Du meine Steckdose verwendest, die ich für uns rausdemonstriert habe!) :-)
Erhöhung Mensa-Bonus (=billigeres Essen), den ich dann aber nicht bekam, weil angeblich meine Hauptwohnsitz-Gemeinde nicht bezahlen wollte. Der Mensa-Bonus ist aber für alle Studenten, welche die ÖH-Zwangsmitgliedschaft haben. Auch hier: Diskriminierung!
Und als krönenden Abschluß hingen an der Uni plötzlich überall Sterne rum, mit denen die ÖH IHRE Erfolge vorzeigte: "Für Dich erreicht..."
Die selbe ÖH, die nicht bei der Hörsaal-Besetzung mitmachen wollte.
Partei-Trottel!
Nun haben sie die Kultur-Revolution vollendet. Alles ist hin...
Eva-Margarita Elisabeth Mayr, 04.09.2026
September 3, 2026 130 2